Mittwoch, 21 November 2018
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Übung macht den Meister

Bei ihrer Tagesübung im Gerätehaus lernen die Dornheimer Kameraden unter anderem den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen des Feuerwehr-Alltags.

 

 

„Und weg!“, sagte Feuerwehrmitglied Dennis Magdans, während seine zwei Kameraden sich eilig von ihrem Patienten, einer Übungspuppe, weg bewegten. „Schock abgeben“, kaum hatte die elektronische Stimme des Automatischen Externen Defibrillators (AED) die Worte ausgesprochen, da drückte Magdans bereits den Knopf – die Puppe bekommt einen Elektroschock. Sogleich setzte Swen Krippahle wieder zur Herzdruckmassage an. „Wie lange muss man das machen?“, fragt Krippahle sichtlich angestrengt. „Solange bis der Rettungswagen kommt“, erklärte Wehrführer Benny Surmann. 

 

 

 

 

 

Auf dem Programm bei der Tagesübung  der Freiwilligen Feuerwehr Dornheim standen neben der Reanimation und Erstversorgung von Verletzten der Umgang mit einer Wärmebildkameraund einer Lenzpumpe. Auch die Anbringung eines sogenannten Rauchabschlusses war Teil der siebenstündigen Fortbildung. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Die Herzdruckmassage ist das A und O“, fügte Benny Surmann hinzu. Fünf bis sechs Centimenter tief muss man den Brustkorb eindrücken. Und falls eine Rippe bricht – „Nicht abschrecken lassen“, meinte Surmann. Als Faustregel gilt: 30 Mal drücken und zwei Mal beatmen im Wechsel. 

 

Indessen hörte man aus der Fahrzeughalle des Gerätehauses die surrenden Geräusche der Lenzpumpe „Mini-Chiemsee“. Am Morgen hatte Benny Surmann in einem kurzen Theorieteil die Handhabung und Vorteile der Pumpe erläutert. Das mehrere 1000 Euro teure Gerät könne bei richtigem Einsatz relativ viel ansaugen, wie Surmann sagte – nämlich exakt 1400 Liter pro Minute. Auch Feststoffe von 55 cm Größe stellen für das kleine Gerät kein Problem dar. Allerdings: „Die Pumpe kann selbst nichts ansaugen“, meinte Surmann. Deshalb müsse man sie vorher mit Wasser füllen. Dann erklärte Surmann die Schritte, die man beim Einsatz der Maschine beachten muss: Ansaugstutzen herumdrehen („Wir sehen die Gegenstände, die auf dem Boden liegen nicht“), Spiraldruckschlauch anschließen, ein Seil an der Öse der Pumpe befestigen, falls die Pumpe in einen Keller gelassen werden muss und das Wichtigste: „Die Pumpe erst anschließen, wenn sie an Ort und Stelle ist“, mahnte Surmann. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Nu hatten die Kameraden die Pumpe in einem Käfig in ein großes mit Wasser gefülltes Becken gestellt und den Stecker eingesteckt. Mit Mühe konnten die beiden Feuerwehrleute den Schlauch festhalten, durch den das Wasser vom einen in das andere Becken schoß. Auch mit nur wenigen Zentimetern Wasserhöhe hat die Pumpe kein Problem: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dank eines Halters, der die Pumpe schräg im Wasser stehen lässt, können auch Flachabsaugungen vorgenommen werden. Dazu mussten sich die Kameraden allerdings eines Tricks bedienen: Da die Pumpe mit dem Stutzen nicht im Wasser steht, diese aber mit Wasser gefüllt sein muss, um zu funktionieren, zogen die Feuerwehrleute einen wassergefüllten Gummihandschuh über den Stutzen. „Ich habe zufällig noch ein paar Handschuhe einstecken“, scherzte der stellvertretende Wehrführer Frank Senßfelder. So schnell konnte man nicht schauen, da schwamm der zerrissene Gummihandschuh bereits in dem anderen Becken herum und die Pumpe lief. 

 

An einer dritten Station stand der Umgang mit der Wärmebildkamera auf dem Plan. „Da ist das hübsche Ding“, sagte Marc Herzing, als er die Kamera zur Begutachtung herumgab. Die Wärmebildkamera sei nicht mit einer normalen Videokamera zu verwechseln, betonte Herzing, sie könne lediglich warme und kalte Temperaturbereiche abbilden. Mittels verschiedener Anschauungsobjekte zeigte er Möglichkeiten und Grenzen des Geräts auf: So könne die Kamera nicht durch reflektierende Oberflächen oder andere Objekte hindurchsehen. Das heißt: Wenn sich etwas unter Wasser oder hinter einem Regal befindet, nimmt die Wärmebildkamera es nicht wahr. Auch, ob ein Behältnis voll oder leer ist, ist nicht auszumachen, wie Herzing erklärte. „Dann muss man mit dem Tastsinn arbeiten“, fügte er hinzu. „Die Kamera ist vielseitig, aber dennoch begrenzt“, so Herzing, „wenn man die Grenzen aber kennt, weiß man damit umzugehen.“ Ein Vorteil des Geräts sei aber, dass die Kamera auch noch Temperaturen erkennt, wenn das Objekt bereits nicht mehr da ist. Sei der Sitz im Falle eines Verkehrsunfalls noch warm, sei davon auszugehen, dass dort jemand gesessen habe. Im vernebelten Kellerraum des Gerätehauses fühlten sich die Kameraden dann aber mit der Wärmebildkamera doch deutlich wohler als ohne den kleinen Apparat.

 

Zum Schluss erklärte Frank Kleinböhl den Kameraden noch den Umgang mit dem sogenannten mobilen „Rauchvorhang“, der sich als türgroßes Tuch mit einem im oberen Bereich des Vorhangs befestigten Metallrahmen entpuppte. „Tür auf, Rauch raus“, sagte er, indem er die Kellertür öffnete, aus der sogleich Rauch austrat. Mit gekonnten Handgriffen brachte Kleinböhl dann den Vorhang in der Tür an. „Das ist schon das ganze Hexenwerk“, sagte er. Durch den variablen unteren Teil können die Feuerwehrleute dann den Raum betreten. „Der Rauch wird gut zurückgehalten“, sagte Surmann. Selbst bei geöffneter Tür bleibe der Rauch weitgehend im Raum. 

 

Technische Hilfeleistung „Verkehrsunfall“ > Unterbauen und Stabilisieren

 

Am vergangenen Mittwoch übten die Kameraden der Dornheimer Feuerwehr auf dem Übungsgelände des neuen Feuerwehrstützpunkts in Groß-Gerau anhand verschiedener Methoden, ein verunfalltes Fahrzeug zu sichern und zu stabilisieren.

Langsam ging Benny Surmann um das aufgebockte Auto herum, rüttelte an der Motorhaube, dem Kofferraum und der hinteren Autotür. „Passt!“ lautete das positive Feedback zur Stabilisierungsmaßnahme der fünf Kameraden an einem PKW.

 

RESQ Blocks®“ nennen sich die Sicherungskeile und -blöcke, die die Feuerwehrleute unter die Achsen des Autos geschoben hatten, um das Fahrzeug zu unterbauen. „Das ist eine gängige und schnelle Methode“, so Surmann. Denn bevor überhaupt an einen Einsatz von Schere und Spreizer gedacht werden kann, sollte der Wagen stabilisiert werden. „Die eingeklemmte Person soll möglichst wenig Erschütterung abbekommen“, erklärte Benny Surmann das Konzept der patientenorientierten Rettung. Dazu stehen den Kameraden der Dornheimer Wehr mehrere Systeme zur Verfügung: Die eben genannten „RESQ Blocks®“, ein weiteres Unterbausystem mit dem Namen „Autocrib®“ sowie das Abstützsystem „Stab-Fast®“. Die zweite Vorrichtung wird nach Art eines Wagenhebers unter das Auto geschoben, mittels der Hände in der Höhe verstellt und anschließend eingepasst. Der Vorteil: „Das geht superschnell und ist von einer Person einzusetzen“, erklärte Wehrführer Surmann. Sitzt das Gerät einmal unter dem Auto, kann der Retter dieses sanft anheben: Schon rutscht die Schiene in die dafür vorgesehenen Zähne und stabilisiert so den Wagen.    

Während einige der Kameraden sich daran versuchten, mit den beiden Block- und Keilsystemen den alten roten Opel zu unterbauen, erläuterte Matthias Henrich auf der anderen Seite des Übungsplatzes die Funktionsweise des Abstützsystems „Stab-Fast®“. Dabei handelt es sich um eine Metallstange mit zwei beweglichen Füßen und einem Ratschengurt. „Das Rohr ist maximal 1,72 Meter auseinander fahrbar“, erklärte Henrich. Daher eigne es sich besonders gut, um auch Fahrzeuge, die auf der Seite oder auf dem Dach liegen, zu stabilisieren. Schon standen die Kameraden neben einem seitlich umgekippten Wagen, um das Anstellen der Stütze zu üben. „Es empfiehlt sich, schon Punkte am Auto auszuwählen, die für so etwas vorgesehen sind“, sagte Henrich. Schnell war ein solcher am Boden des Wagens gefunden und der Stab schräg an das Auto gestellt. Nun hakten die Kameraden die an den Gurten befestigten Karabiner oben und unten am Wagen ein, die Ratsche zog den Gurt schließlich so fest, dass der auf dem Boden stehende Fuß sich keinen Millimeter mehr bewegte - ebenso wie das Auto.

 

 

Und wenn das Auto auf der Seite der Motorhaube gesichert werden soll? Hier kam der so genannte „Blechreißer“ zum Einsatz. Die große Zange dient dazu, ein Loch als Halterung für die Karabiner in das Metall zu schneiden. Ansetzen, herunterdrücken, den „Blechreißer“ herumdrehen und das Loch mit der anderen Seite vergrößern - „Da kann man ruhig ein bisschen herumhebeln“, ließ Henrich verlauten. Schließlich muss der Karabiner sicher sitzen. 

 

 

 

 

 

 

 

Inmitten der anderen beiden Gruppen übte sich eine dritte Gruppe im Umgang mit der Säbelsäge. Der große Vorteil dieses elektrischen Fuchsschwanzes bestehe in seiner Schnelligkeit, wie Benny Surmann erklärte. „Das erzeugt sehr wenig Erschütterung“, fügte er hinzu, ergänzte aber, dass die Säge aufgrund der Lautstärke für Stress beim Patienten sorgen könne. „Die Säge ist beispielsweise perfekt einzusetzen, wenn man ein Teil der Motorhaube entfernen will“, erklärte Rob Rietschel, die Säge in seinen Händen haltend, seinen Kameraden. Gleichzeitig könne man sie auch nutzen, um nur ein Stück der Frontscheibe herauszuschneiden, damit man schnell an den Patienten heran kommt.

 

Ziel dieser Übungsveranstaltung war es, das Handling der unterschiedlichen Abstütz- und Stabilisierungssysteme zu erlernen und zu vertiefen, um bei Verkehrsunfällen zügig entscheiden zu können welches System für diesen Fall am effizientesten ist.

 

 

 

 

Übungszeiten Einsatzabteilung

Mittwoch Abend ab 20.00 Uhr 

 

 

Treffpunkt

Feuerwehrhaus Dornheim

Bahnhofstrasse 19

64521 Dornheim